 Zum
Frühstück hatte Roy einen Quitch gebacken, Carrol ging es nicht
gut, sie blieb im Bett liegen. Der Tag wurde wieder sehr arbeitsam, Doby,
Roy und ein verschlafener Rob II arbeiteten wieder am Haus, wo sie an einer
Überdachung für die vordere Terasse herumbastelten (langsam begann
man zu erkennen, woran sie eigentlich arbeiteten). Charlie und ich wurden
zur Sattelpflege abkommandiert, aber Charlie war nicht von seinem Trail
wegzubekommen - gestern hatten wir ihn mit den Pferden ausprobiert, und
ich hatte mich etwas skeptisch geäußert ...
Nun denn - die Sattelpflege
wurde trotzdem noch erledigt, und wo wir eh schon mal dabei waren, ölten
wir alle Trensen gleich mit.

Gegen elf hatten
wir uns dann zwei Pferde gesattelt und gingen auf Erkundigungstour den
Hassayampa ostwärts hoch. Es war der reinste Abenteuerritt. Trotz
sorgfältigem Ausschau halten nach Treibsänden geritten wir zwei
mal in den trügerischen Sand. Das eine mal sogar kaum einen Meter
neben den Spuren, die wir auf dem Hinweg an dieser Stelle hinterlassen
hatten.
Ich hatte einen der spektakulärsten
Stürze meines Lebens. Charlie ritt etwa fünfzig Meter vor mir,
und meine Stute, "Tadpole", versuchte immer wieder in Trab zu fallen,
um aufzuholen. Schließlich reichte es mir und ich zog die Zügel
energisch an. Sie reagierte darauf mit einer eleganten Drehung und gleichzeitigem
Steigen, ich rieß wahrscheinlich die Zügel an mich, weil ich
den Halt verlor, und sie kippte hintenüber und landete seitwärts
auf mir. Uuups. Ich ließ alles los und hoffte nur, dass sich dieses
Fünfhundertkilo-Monster nicht über mich wälzte, um aufzustehen.
Tat sie zum Glück nicht, sie kam irgendwie hoch und spazierte davon,
während ich auf dem (zum Glück sandigen) Boden lag und nicht
wagte, mein plattgelegenes Bein zu bewegen. Statt dessen brüllte ich
"Charlie! Come back!" - aber er schien mich nicht zu hören, also mußte
ich mich wohl doch selbst auf die Füße machen. Nichts passiert
- vielleicht ein paar blaue Flecken, aber keine direkten Schmerzen, wie
diese dämliche Rippe, die ich nach vier Tagen immer noch spüre.
Unter "Charlie! Stop! Come back! Get my horse!"-Brüllen wanderte ich
meinem Pferd hinterher. Nach fünfzig Metern bekam ich endlich eine
Antwort, Charlie hatte Tadpole erwischt und wartete hinter einer Flußbiegung
auf mich. Dass ich zwei Minuten später mit Tadpole in Treibsand geriet
war dann nur noch ein Joke ...

Wir kamen relativ
früh zur Ranch zurück, um 16.00 Uhr hielt ich schon meinen Kaffeebecher
in der Hand. Von unseren kleinen Unfällen erzählten wir lieber
nichts, wir wollten nicht riskieren, dass Roy sich zu viele Sorgen machte
und diese Ritte ohne Begleitung vielleicht nicht mehr zu ließ.
Eine Stunde später
brachen Roy und Doby auf zurück nach Phoenix, Carrol war inzwischen
aufgestanden und bereitete das Dinner vor. Das letzte für mich auf
dieser Ranch - zunächst. Charlie und Rob II würden am nächsten
Morgen früh aufbrechen, ich würde noch bis nachmittags bleiben,
um Carrol zu helfen, zwei Rinder zu verladen, nachdem ein Inspektor hier
war, um sie zu prüfen.
Die Rinder sollten am Dienstag
in Prescott auf einer Auktion verkauft werden - zufällig war diese
Auktion mein Ziel für Dienstag gewesen, Carrol und ich verabredeten
also, uns dort zu treffen.
Nachdem Carrol schlafen gegangen war, beschlossen Charlie, Rob II und ich den Abend mit
einem zünftigen Kartenspiel: Poker. Das Ganze mit einigen kräftigen Schlucken Whisky, selbst Charlie, der sonst so pingelig auf eine gesunde Ernährung achtete ("Ich habe aufgehört, Nahrungsmittel mit Sodium zu essen.", "Ich sollte jetzt keinen Kaffee mehr trinken.", "Nein, kein Soda mehr, da ist zuviel Sodium drin.", "Alkohol zu trinken habe ich aufgehört."), langte ganz schön kräftig zu.
Einsatz ein Quarter (25 Cent) - nach einer knappen Stunde war Charlie
pleite, Rob II und ich spielten alleine weiter, jetzt 17 und 4. Nach einer weiteren Stunde hatte ich
acht Dollar gewonnen, Rob II gab auf ...
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